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Die Rauchmelderlobby – Ein Bericht aus der Welt

In einem Bericht in der Welt sinniert Autor Harald Czycholl über die Wichtigkeit und den Nutzen von Rauchmeldern in Privathaushalten. Denn, wie er sagt, gibt es keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Rauchmelderpflicht und Brandopferzahlen. Dennoch haben mittlerweile 10 Bundesländer diese Pflicht eingeführt und andere Landesregierungen debattieren die Gesetzesänderung.

Wie auch schon Konrad Fischer in der WirtschaftsWoche stößt Czycholl dabei auf die starker Lobby der Rauchmelderhersteller, die sich im „Forum Brandrauchprävention“ zusammengeschlossen haben. Das Forum steckt hinter der Kampagne „Rauchmelder retten Leben“ und tritt seit 12 Jahre für die allgemeine Rauchmelderpflicht in Privathaushalten ein. Fischer und Czycholl argumentieren beide, dass hinter der Kampagne keine Selbstlosigkeit steckt, sondern vielmehr eine gute Marketingstrategie. Denn unter den Vereinsmitgliedern finden sich die Rauchmelderhersteller Bosch, Siemens, Detectomat und Bavaria Rauchmelder. Auch Wartungsfirmen wie Brunata-Metrona, Ista, Kalorimeta und Minol Messtechnik gehören dem Verein an und profitieren wirtschaftlich wenn die Anfrage an Rauchmeldern steigt, z.B. durch die gesetzlich eingeführte Rauchmelderpflicht in einigen deutschen Bundesländern. Dass hinter dem Streben nach der allgemeinen Rauchmelderpflicht eine ausgeklügelte Marketingstrategie steckt, zeigt zudem, dass der Verein in den Geschäftsräumen der Berliner Werbeagentur Eobiont seinen Sitz hat. Die Spezialität der Werbeagentur ist es durch ihre Kampagnen „öffentliches Bewusstsein zu wecken“.

Der Erfolg des Vereins zeigt sich in der Einführung der Rauchmelderpflicht in zehn Bundesländern – Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Dass Rauchmelder hier in Privathaushalten zum Inventar gehören, schreibt die Landesbauordnung in diesen Ländern vor. Auch in Bayern wurde das Gesetz im letzten Jahr entschieden, seit dem 1 Januar 2013 ist es in Kraft getreten. Auch Nordrhein-Westfalen diskutiert schon seit geraumer Zeit über die Einführung der Rauchmelderpflicht. Experten sagen, sie werde noch in diesem Jahr eingeführt. Übrig sind noch Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin und Sachsen. Aber auch in Baden-Württemberg und Berlin werden Gesetzesänderungen bereits diskutiert.

In jedem Bundesland sieht die Rauchmelderpflicht etwas anders aus. Generell gilt jedoch, dass die Installation von Rauchmeldern als Modernisierung gilt. Demnach dürfen Vermieter die anfallenden Kosten auf ihre Mieter umlegen. Durch eine Modernisierungsmieterhöhung holen sie sich die Kosten wieder zurück. Der Unterhalt und die Wartung der Geräte kann den Mietern in Rechnung gestellt werden. So entschied das Landgericht Marburg in 2011, dass die Wartungskosten von Rauchmeldern zu den Betriebskosten zählen und als „sonstige Nebenkosten“ auf den Mieter umlegbar sind (Aktenzeichen 1 S 171/11).

Die Befürworter der Rauchmelderpflicht unterstützen ihre Argumentation gern, indem sie Statistiken aus den USA zitieren, schreibt Czycholl in der Welt. „Bis zu 40 Prozent“ weniger Brandopfer zählt man dort dann der kleinen Melder. „Rauchwarnmelder können keinen Brand verhindern, aber sicherstellen, dass Menschen rechtzeitig gerettet werden“, erklärt Christian Diederichs, Vorstand der Ergo-Versicherungsgruppe. Hermann Schreck, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, fügt hinzu: „Aus ganz Deutschland gibt es Berichte von Feuerwehreinsätzen, bei denen Menschen durch den Alarm eines Rauchmelders geweckt, Nachbarn gewarnt oder größere Schäden verhindert worden sind.“

Statistische Belege für die Wirksamkeit von Rauchmeldern gibt es allerdings (noch) nicht. Dabei fokussiert der Autor auf den Beweis, dass durch Rauchmelder die Brandopferzahlen sinken. In den Daten des Statistischen Bundesamtes konnte Czycholl dafür keine Belege finden. Generell fand er heraus, dass die Zahl der Brandopfer in Deutschland tendenziell sinken: starben 2002 noch 550 Menschen durch Feuer, waren es im Jahr 2010 32 Prozent weniger, nämlich 373. Der Welt Autor schreibt dies dem Zufall zu, und nicht der Installation von Rauchmeldern.

Im Bundesland Sachsen seien die Zahlen der Brandopfer im gleichen Zeitraum um 72% gefallen. Noch gibt es in Sachsen keine Rauchmelderpflicht. Auch in Bayern, wo erst diese Jahr die Pflicht eingeführt wird, sanken die Opferzahlen um 54 Prozent. Vergleicht man dies mit Hessen, wo Rauchmelder bereits 2005 gesetzlich vorgeschrieben wurden, lag der Rückgang lediglich bei 13 Prozent. Auch in Rheinland-Pfalz, wo es die Rauchmelderpflicht bereits seit 2003 gibt, waren lediglich vier Prozent weniger Brandopfer zu beklagen.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) setzt sich statt Rauchmelder für die Brandprävention ein: „Rauchmelder verhindern keine Brände“, sagt BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern. „Wir setzen auf Prävention. Brände sollen gar nicht erst entstehen“, so Kern. „Wichtig ist außerdem zu wissen, wie man sich im Brandfall korrekt verhält.“

Allein die Zahl der Fehlalarme sei seit der Rauchmelderpflicht in allen Bundesländern gestiegen, meint der Autor. 12.044-mal musste die Feuerwehr allein in Hamburger Feuerwehr 2011 zu Brandeinsätzen ausrücken. In knapp 50 Prozent der Fälle war das Ausrücken auch wirklich berechtigt. Der Rest ging auf Fehlalarme zurück, allein zwei Drittel auf fälschlicherweise ausgelöste Brandmeldeanlagen. 1314 Fehlalarme von Rauchmeldern in Privathaushalten verzeichnete die Hamburger Feuerwehr im selben Jahr. Verantwortlich für die Fehlalarme macht der Autor die anfällige Technologie der Rauchmelder. Er nennt Wasserdampf, der nach dem Duschen durch die geöffnete Badezimmertür in die Wohnung dringt, als potenziellen Auslöser für einen Fehlalarm oder Zigarettenrauch oder angebranntes Essen.

Dies ist durchaus möglich, allerdings kann das Verrücken des Rauchmelders um 1 Meter hier schon Abhilfe schaffen. In die Küche oder ins Bad gehören Rauchmelder generell nicht. Auch durch Zigarettenrauch löst der Melder nur aus, wenn dieser direkt in die Rauchkammer geblasen wird, oder durch sehr viele Raucher in einem ungelüfteten Raum übermäßig viel Rauch entsteht. Czycholl meint, dass diese Fehlalarme Gefahr für andere Personen darstellen bei denen es wirklich brennt. Denn dort kommt die Feuerwehr nicht rechtzeitig an, wenn sie zu einem Fehlalarm ausgerückt ist. Er scheint dabei zu vergessen, dass in den wenigsten Fällen die Rauchmelder mit einer Anlage verbunden ist, die den Brand direkt bei der Feuerwehr meldet. In den meisten Fällen greifen die Besitzer der Rauchmelder selbst zum Telefon und rufen im Notfall die Polizei. Bei Fehlalarmen durch Koch- oder Baddämpfe wird schnell Abhilfe geschaffen, indem der Stummknopf gedrückt und die Wohnung gelüftet wird.

Die Feuerwehren setzen sich stark für die Rauchmelderpflicht in Deutschland ein, auch wenn es dann mehr Einsätze, verursacht durch Fehlalarme, gibt.

Quelle: http://www.welt.de

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Sebastian Fischer

Sebastian Fischer ist seit 2009 im Onlinehandel mit Schwerpunkt Sicherheitstechnik und Brandschutzprodukte tätig. Seit 2011 Geschäftsführer und Inhaber der Firma Rauchmelder-Experten.de, ist er mit Herz und Seele im Bereich privater und gewerblicher Brandschutz unterwegs. Natürlich ist hat er die Zertifizierung zur Fachkraft für Rauchwarnmelder erfolgreich absolviert und erneuert diese regelmäßig. Mit Projekten wie www.buschi-wird-feuerwehrmann.de versucht er, das Thema Brandprävention auch im Umfeld von Kinder zu etablieren.

9 comments

  1. Richard Stinglhammer

    Rauchmelder können im Brandfall rechtzeitig alamieren, ich finde es jedoch sehr viel wichtiger einen Entstehungsbrand
    in den ersten 30 Secunden zu löschen

    Mit freundlichen Grüßen
    Richard Stinglhammer

  2. Leider kommen diese „Rauchmelder“ nicht mit dem Dampf einer sogenannten elektronischen Zigarette klar. Die aktuellen Modelle von Techem und Minol sehen zwar schick aus, geben aber auch sehr oft Fehlalarm. Somit ist der bestimmungsgemäße Gebrauch der Wohnung nicht mehr gegeben. Gut gedacht, schlecht gemacht.

  3. Bei meinem Sohn im Studentenwohnheim kam es ebenfalls zu einem Fehlalarm durch „wahrscheinlich Wasserdampf“ laut Feuerwehbericht. Nun kam eine Rechnung ins Haus geflattert von etwas über 1000€, da der Rauchmelder direkt bei der Feuerwehr ausgelöst hat und diese ausrücken musste. Ist dies so rechtens?

    Mit freundlichen Grüßen
    Enrico Curti

    • Silke Fischer

      Guten Tag Herr Curti,

      ob Kosten erhoben werden dürfen, hängt in erster Linie von der Gebührensatzung der jeweiligen Feuerwehr ab. Für die Klärung der Frage, wer diese Kosten zu tragen hat – Mieter oder Vermieter – würden wir jedoch das Hinzuziehen eines Anwalts empfehlen. Außerdem wäre zu klären, ob es sich um einen Einsatz wegen vorsätzlicher oder grob fahrlässiger grundloser Alarmierung oder eine Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen handelt. Für solche Einsätze werden in der Regel Kosten eingefordert.

      Viele Grüße

  4. Uns wurden Rauchmelder der Fa. MINOL verbaut, mehrfache Fehlalarme in mehreren Wohnung. Wortloser Umtausch, keine Reaktion des Unternehmens auf Anschreiben. Vertrauen in Technik und vor allem in MINOL ist dahin. Techniker von MINOL sagt, dass kommt häufiger vor. Also doch nur eine Lobbymassnahme oder unzureichende technische Vorgaben.

    • Maria Theresia Tilgen-Selt

      HALLO Kai,

      bei uns wurden ebenfalls schon 1 kompletter Satz RM ausgetauscht.Aktuell warten wir seit 21.12.2017 auf einen erneuten Austausch eines defekten RM.
      Beschwerden,Anfragen etc. beantwortet man teils gar nicht oder sehr unfreundlich und ungehalten.
      Es werden RECHNUNGEN geschickt über Leistungen,die nie erbracht wurden; in unseren Haus Wohnen ANGEBLICH noch 3 weitere Parteien usw. Fazit: eine komplett inkompetente, kundenunfreundliche Firma.
      Weißt Du, an wenn man sich wenden kann ,wenn MINOL seit MONATEN einen defekten RM nicht austauscht?

      Viele Grüsse
      Therese

  5. Ärger nach minol Wartung : 5 von 24 Geräten seien nach geradeaus 2 Jahren defekt und müssten gegen Gebühr gewechselt werden.
    Kaum zu glauben, dass die Geräte ( Batteriegarantie 10 Jahre) defekt sein. Habe 5 Geräte überprüft, letztlich sind nur 4 defekt.
    Der Kundenservice der Firma ist sehr schmallippig und lässt Kritik und fragen nicht zu . letztlich bleibt nur der vorgeschlagene neukaufen der Geräte.
    Das verhalten der Firma kommt uns sehr unseriös vor. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

  6. Auch ich kann MINOL nicht empfehlen:

    Nach 2 1/2 Jahren war der Rauchmelder in unserem Büro defekt, ständiger Alarm, ohne Grund…
    Wir waren der Meinung, es ist innerhalb der Garantie.
    Minol kam, tauschte in 10 Minuten und stellte eine Rechnung über € 119,00 an die Hausverwaltung aus.
    Die Rechnung bekamen wir leider erst bei der Abrechnung durch die Verwaltung zu sehen.

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